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		<title>Bill Cunningham &#8211; Urvater aller Modeblogs</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 19:16:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>metrodiary</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittworch, 16. März läuft im New Yorker Film Forum der Dokumentarfilm „Bill Cunningham New York“ an. Cunningham, der seit drei Jahrzehnten die Foto-Collage „On the Street“ im Bund „Styles“ der New York Times gestaltet, ist der Urvater aller Mode-Blogger. Er begnügt sich allerdings nicht damit, ein paar originell gekleidete Passanten zu fotografieren, wie das viele tun, sondern spürt mit der Besessenheit eines Newsreporters und dem scharfen Blick eines Designers (er war ursprünglich Hutmacher) neue Stilentwicklungen auf der Strasse auf.</p>
<div id="attachment_17" class="wp-caption aligncenter" style="width: 334px"><a href="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob649_1221406614.jpg"><img class="size-full wp-image-17 " title="mob649_1221406614" src="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob649_1221406614.jpg?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Window @ Bergdorf Goodman 2008. Photo: Thérèse Balduzzi©</p></div>
<p>Cunningham interessiert sich nicht für Celebrities, deren Garderobe meist von Stylisten zusammengestellt wird. Nein, ihn interessiert, wie stilbewusste Passanten auf der Strasse durch ihre individuelle Tragweise Kleidungsstücke, Taschen und Tücher neu interpretieren, oder mit der Zweckentfremdung gewisser Stücke oder Materialien spielen. Eines seiner beliebtesten Beispiele, ist eine Direktionssekretärin namens Louise Doktor, die beispielsweise in einem Mantel mit vier Ärmeln zur Arbeit geht, oder einen Bilderrahmen mittels kleiner Scharniere zu einer Halskette umfunktioniert hat. Immer mit dem Velo (man lernt im Film, dass es sein 29. ist, die anderen 28 wurden alle gestohlen) und einer blauen Arbeiterjacke unterwegs, ist Cunningham eine feste Institution in New York. Und da er auch die Benefizveranstaltungen der New Yorker Gesellschaft dokumentiert, kennt er auch in der High Society jede und jeden. Doch Cunningham ist ein sehr bescheidener Mann, der das Rampenlicht meidet. Am liebsten möchte er unsichtbar sein, wenn er der neuesten Modeidee nachspürt und es gilt daher auch als ungeschriebene Regel, dass man ihn nicht beachtet, wenn man ihn sieht, besonders nicht, wenn er einen fotografiert.</p>
<div id="attachment_22" class="wp-caption aligncenter" style="width: 442px"><a href="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob650_1221406666.jpg"><img class="size-full wp-image-22" title="mob650_1221406666" src="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob650_1221406666.jpg?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Window @ Bergdorf Goodman 2008. Photo: Thérèse Balduzzi©</p></div>
<p>Cunningham hat zahlreiche Angebote, über seine Jahrzehnte Stilreportagen ein Buch oder eine Ausstellung zu gestalten, ausgeschlagen. Er gibt auch nicht gerne Interviews. Der Grund? „Ich bin nicht das Thema, sondern die Mode.“ Deshalb ist schon die reine Existenz dieses Dokumentarfilms ein kleines Wunder. „Es dauerte 10 Jahre, um diesen Film zu machen &#8211; acht davon, um Bill zu überzeugen und zwei um den Film zu drehen“, erzählt der Regisseur Richard Press. Vor zweieinhalb Jahren ehrte ihn das Edelwarenhaus Bergdorf Goodman mit einer Ausstellung seiner wöchentlichen Fotogeschichten in seinen Schaufenstern an der Fifth Avenue. Dies war doppelt sinnvoll, weil die Ausstellung das auf der Strasse Entstandene wieder auf die Strasse zurück brachte und weil die Ecke der Fifth Avenue und 57. Strasse, wo sich Bergdorf befindet, Cunninghams beliebtestes &#8222;Jagdgebiet&#8220; ist. Auch dazu musste ihn die Kreativdirektorin von Bergdorf Goodman, Linda Fargo, während zehn Jahren bearbeiten.</p>
<div id="attachment_23" class="wp-caption aligncenter" style="width: 334px"><a href="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob651_1221406768.jpg"><img class="size-full wp-image-23" title="mob651_1221406768" src="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob651_1221406768.jpg?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Window @ Bergdorf Goodman 2008. Photo: Thérèse Balduzzi©</p></div>
<p>Wegen Cunninghams Schüchternheit, aber auch wegen seiner Arbeitsweise, wurde der Film mit einer gewöhnlichen Videokamera gedreht. Es ist daraus ein Portrait entstanden, das einem den Mann, den alle erkennen und niemand wirklich kennt, einiges näher bringt. Seine Kindheit verbrachte er in New England, in einem Milieu und in einer Zeit, in denen noch Werte wie Bescheidenheit und Würde hochgehalten wurden. So sieht man im Film Cunningham im einfachen Deli Drei-Dollar-Sandwiches essen und seine billige Plastikpelerine mit Klebband flicken. Bis vor kurzem wohnte er im selben Zimmer mit Dusche auf dem Gang, das er 60 Jahre zuvor bezogen hatte, einem Künstlerapartment, das der Carnegie Hall gehört. Er schlief dort auf einem Brett mit einer Schaumgummimatratze über seinen Hängeregistraturen, die sein gesamtes Archiv enthielten. Doch der Film zeigt nicht nur seine mönchenhaften Lebensumstände auf, sondern auch, wie wichtig Cunningham seine Freiheit und Integrität sind. So lässt er sich an all den Banketts, die er besucht, nicht mal ein Glas Wasser einschenken. Er habe früh beschlossen, an den Parties nichts zu konsumieren, erklärt er im Film. Es sei für ihn so einfacher, die nötige Distanz zu bewahren, um gute Arbeit zu machen. Dass er diese journalistische Ethik religiös einhält, obwohl er „nur“ über Mode berichtet und nicht über gesellschaftlich oder politisch brisante Themen, macht ihn eben so gut: Er will niemandem verpflichtet sein und nimmt seine Arbeit sehr ernst. Er ist aber nicht etwa darauf aus, peinliche Modesünden und Faux-pas zu dokumentieren. Dazu scheint ihm jegliche maliziöse Regung zu fehlen.</p>
<div id="attachment_24" class="wp-caption aligncenter" style="width: 442px"><a href="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob652_1221407124.jpg"><img class="size-full wp-image-24" title="mob652_1221407124" src="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob652_1221407124.jpg?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Window @ Bergdorf Goodman 2008. Photo: Thérèse Balduzzi©</p></div>
<p>Auf der Redaktion der New York Times besitzt Cunningham laut Styles-Ressortchef Trip Gabriel zwar seit kurzem ein Pult und ein Telefon. Doch die Nachrichten hat er noch nie abgehört. Stattdessen ist er der einzige auf der Redaktion, der seine Beiträge von A bis Z selber zusammenstellt und noch mit Film arbeitet. Seit die Times ihr Fotolabor abgeschafft hat, bringt Cunningham seine Filme zu einem 1-Hour-Photo um die Ecke zum entwickeln. Nur für das genaue Layout arbeitet er mit einem Art Director der Bildredaktion zusammen.</p>
<div id="attachment_25" class="wp-caption aligncenter" style="width: 298px"><a href="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob653_1221583349.jpg"><img class="size-full wp-image-25" title="mob653_1221583349" src="http://metrodiary.files.wordpress.com/2011/03/mob653_1221583349.jpg?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Bill Cunningham - Bergdorf Goodman 2008 - Photo: JOE SCHILDHORN/PatrickMcMullan©</p></div>
<p><!-- @font-face {   font-family: "Arial"; }@font-face {   font-family: "Cambria"; }@font-face {   font-family: "Monaco"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0in 0in 10pt; font-size: 14pt; font-family: Arial; }div.Section1 { page: Section1; } --> Sonst redet ihm niemand drein, was der New York Times hoch anzurechnen ist. Er nimmt auch nie an Sitzungen teil: &#8222;Seine beliebteste Ausrede ist &#8222;Ich kann nicht länger im Büro sitzen, ich muss auf die Strasse, wo die Story ist&#8220;, sagt Gabriel. Der Ressortchef erzählt auch, dass während der Modeschauen in Paris, die Times-Reporter jeweils im Premier Arondissment einquartiert sind, beispielsweise im Ritz. Cunningham bestehe aber jeweils darauf, in igendeinem Billigsthotel zu wohnen, in dem es auf den Zimmern keine Telefone gebe. Das passt zu seinem asketischen Lebensstil; es bringt ihm aber auch den Vorteil, aufkreuzen zu können, wann und wo es ihm passt. Sein Kommentar zu Mobiltelefonen: „Der Mensch ist gar nicht dafür gemacht, dauernd erreichbar zu sein.“ Damit geniesst er einen anders gearteten, vielleicht viel grösseren Luxus.</p>
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